Partizipation

Im Hibiduri dürfen die Kinder ihren Alltag aktiv mitgestalten und mitbestimmen - bei uns wird Partizipation gelebt. Partizipation bedeutet, die Kinder in Ereignisse und Entscheidungsprozesse , die sie selbst betreffen, einzubeziehen. 

Partizipation als Prozess

Manche Kinder erleben Mitbestimmung bereits zu Hause, beispielsweise wenn sie selbst entscheiden dürfen welches Oberteil sie heute tragen oder wer sie vom Kindergarten abholt. Für andere Kinder wiederum ist es ungewohnt eigene Entscheidungen zu treffen, da die Erwachsenen einen Großteil der Entscheidungen für sie treffen. So oder so ist die Partizipation im Kindergarten ein Prozess, den alle Kinder durchlaufen.

 

Es Bedarf eine Menge Übung für die kleinen Menschen ihre eigenen Bedürfnisse in Worte zu fassen, dies wird vielleicht noch deutlicher wenn man daran denkt, wie schwer es manchen Erwachsenen fällt seine Meinung im Teammeeting zu äußern.  

"Übung macht den Meister!"

Entwicklungsschritte durch Partizipation

Stück für Stück lernen unsere Kinder was es heißt, sich eine eigene Meinung zu bilden, eigene Ideen zu entwickeln, ihre Meinung zu vertreten oder ihre Bedürfnisse auch mal zurückzustellen. 

Das Prinzip der Partizipation bringt viele positive Aspekte mit sich:

  • Das Selbstvertrauen wird gestärkt, da die Kinder merken, dass ihre Meinung wichtig ist und ernstgenommen wird
  • Die Eigenständigkeit wird gefördert, indem die Kinder selbst Entscheidungen treffen dürfen
  • Das Gemeinschaftsgefühl und soziale Miteinander wird gestärkt, da die Kinder miteinander kommunizieren und gemeinsam Entscheidungen treffen
  • Die Empathie Fähigkeit wird gefördert, da die Kinder lernen auf die Bedürfnisse und Ideen der anderen Kinder Rücksicht zu nehmen und auch mal die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen

Partizipation heißt letztlich nicht immer den eigenen Willen durchzusetzen. Die Kinder erkennen in den Gesprächsrunden, dass nicht nur ihre eigene Meinung von Bedeutung ist, sondern auch die der anderen Kinder. Sie üben sich darin ihre Meinung zu vertreten und auch Kompromisse auszuhandeln, denn nicht immer werden Entscheidungen zu eigenen Gunsten getroffen.

Partizipation im Hibiduri

Einmal in der Woche treffen sich alle Hibiduris (Kinder & Erzieher:innen) zur Kinderkonferenz. Die Kinderkonferenz bietet den Kindern die Möglichkeit, sich aktiv in den Kindergartenalltag einzubringen. Es wird geredet, argumentiert und diskutiert. Manche Kinder vertreten aktiv ihren Standpunkt, manche Kinder halten sich eher zurück und beobachten das Geschehen. Jeder hat seinen ganz eigenen Platz in dieser Runde. Wenn es um Entscheidungen geht zählt dennoch jede einzelne Stimme. 

"Ich bin richtig und wichtig!"

In einer unserer ersten Kinderkonferenzen haben wir gemeinsam mit den Kindern Regeln für den Kindergartenalltag besprochen. Wir sind der Auffassung, dass die Kinder sich besser mit den Regeln identifizieren, wenn sie sich bewusst mit ihnen auseinandersetzen und diese gemeinschaftlich festlegen (anstelle von auferlegten Erzieher-Regeln). Die Ideen sprudelten nur so aus den Kindern und so legten sie für sich ihre Kindergartenregeln fest. Übrigens… die Regeln der Kinder gleichen sich mit denen die die Erzieher:innen sich gewünscht hätten :) 

 

Im Alltag fördern wir ebenso bewusst (und manchmal auch unbewusst) die Mitbestimmung unserer Kinder: die Küken dürfen selbst entscheiden, welche:r Erzieher:in sie wickelt // die Kinder dürfen selbst entscheiden was, mit wem und wo sie spielen  // wenn den Kindern beim Spielen zu warm wird, dürfen sie ihre Sweatjacke ausziehen // die Kinder entscheiden selbst, wie viel sie essen & wann sie satt sind // die Küken entscheiden selbst, ob sie ein Nickerchen benötigen // die Kinder dürfen entscheiden, was sie in der nächsten Turnstunde gerne machen möchten  // …

Partizipation im U3 Bereich

Das Alter und die persönliche Entwicklung des Kindes ist ein wichtiger Aspekt bei der Partizipation, den es immer zu berücksichtigen gilt. Bereits die Kleinsten wollen aktiv am Leben teilhaben, sich einbringen und neue Dinge erlernen - der meist gesagte Satz: “Will alleine!” zeigt es uns in aller Deutlichkeit. Mit zwei Jahren wissen viele Kinder schon genau was sie wollen oder was eben nicht. Unsere Küken nehmen in der Regel aktiv an allen Partizipations- Elementen, wie beispielsweise unserer Kinderkonferenz teil.

 

Die Ausnahme gilt, wenn wir Erzieher:innen merken, dass die Küken mit der aktuellen Situation überfordert werden könnten, weil z.B. das Thema in der Großgruppe zu komplex ist. In dem Fall gibt es für die Küken eine eigene Kinderkonferenz, in der wir spielerisch das Thema aufgreifen und bei Abstimmungen mit Hilfe von Bildkärtchen den Kindern Entscheidungshilfen bieten. Unsere Küken haben demnach die gleichen Rechte wie alle anderen Kinder, wo wir beim Thema Demokratie wären…

Das spätere Leben

Partizipation ist die Basis einer jeden demokratischen Gesellschaft. Entscheidungen trifft nicht eine einzelne Person (Erzieher:in), sondern die Gemeinschaft (Kinder). Alle haben die gleichen Rechte und dürfen ihre Meinungen frei äußern. Wenn die Kinder in frühen Jahren lernen, für sich und ihre Meinung einzustehen, fällt es ihnen auch im späteren Leben leichter sich zu positionieren.  

 

"Ich bin überzeugt, wenn wir viele Kinder haben, die spüren

*Ich kann was bewirken auf dieser Welt!*,

dann werden wir auch viele Erwachsene haben, die etwas bewirken.

Man stelle sich so eine Gesellschaft vor,

in der alle das als Kinder schon gespürt haben.

Das ist mein Traum."

- Christine Krijger-Böschen -

Recht auf Beteiligung

Die Beteiligung (Partizipation) der Kinder ist für uns nicht nur wichtig, sondern auch ein fester Bestandteil der UN-Kinderrechtskonvention (siehe Art. 12 Berücksichtigung des Kindeswillen).

Demnach haben Kinder ein Recht darauf, sich eine eigene Meinung zu bilden und diese Meinung in allen das Kind berührenden Angelegenheiten, unter Berücksichtigung des Alters und Reife, frei zu äußern. 

Grenzen der Partizipation

Wenn es um die Gesundheit oder Sicherheit der Kinder geht, hat auch die Mitbestimmung der Kinder gewisse Grenzen.

Wenn ein Kind beschließen würde in kurzer Hose und mit einem T-Shirt bekleidet im schneebedeckten Garten zu spielen, stünde die Gesundheit des Kindes selbstverständlich über des Mitbestimmungsrechtes des Kindes.

Es wäre dann an uns Erzieher:innen das Kind mit Hilfe vernünftiger Argumente vom Umdenken zu überzeugen.